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The Myth of „Good Hair“

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von Nadja Uamusse

Als ich aufwuchs, sah ich kaum Frauen, die ihre Haare als Afrolocken trugen. Das lag nicht nur daran, dass ich in einer weißen Mehrheitsgesellschaft leb(t)e. Selbst Schwarze Berühmtheiten wie Beyoncé, Michelle Obama, Rihanna oder Naomi Campbell tragen ihre Haare nicht oder selten so, wie sie aus ihren Köpfen wachsen. Stattdessen werden sie gefärbt, geglättet unter Perücken versteckt oder mit Extensions verlängert. An sich ist das kein Problem, jede*r darf mit seinen Haaren machen was er oder sie will. Es ist jedoch kein Zufall.
Schwarzen Frauen wird suggeriert, dass sie mit glatten Haaren attraktiver seien. Allein an der Sprache wird sichtbar, dass Haare von Weißen als schön gelten – im Gegensatz zu Afrohaaren. Glatte Haare sind geschmeidig, wallend und seidig, während Afrohaare als kraus, krisselig und störrisch bezeichnet werden. Ein Wort, das die Schönheit von Afrohaaren ausdrückt, gibt es nicht.

© Louise Mikalay, privat

Die Autorin Lori L. Tharps schreibt, dass die Begriffe „good hair“ und „bad hair“ der Kolonialzeit entspringen. Je mehr dein Haar weißem europäischen Haar entsprach, desto wahrscheinlicher floss „weißes“ Blut in dir. Für versklavte Schwarze Menschen bedeutete dies einen besseren Zugang zu Essen, Bildung, bessere Behandlung und eine höhere Wahrscheinlichkeit, frei zu werden. Mit anderen Worten bedeutete gutes Haar eine bessere Überlebenschance.
Wenn Menschen mit europäischerer Haarstruktur eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, erfolgreich im Leben zu sein, was bedeutet es dann für Menschen mit krauseren Haaren? Impliziert wird, dass diese Menschen weniger von der Gesellschaft akzeptiert werden und schafft gleichermaßen eine Separation innerhalb der Schwarzen Community.

Der Afro

Der Afro ist das Epitom des Schwarzseins. Wenn man an Schwarze natürliche Haare denkt, gilt der erste Gedanke einer Krone aus Locken, Kringel und Haarkrause. Afro zu tragen bedeutet sein/ihr Schwarzsein zu feiern und stolz nach außen zu tragen. Für mich gibt es keinen ausdrucksstärkeren Hairstyle wie den Afro.

Für Schwarze Menschen ist der Afro ein Symbol des Stolzes, der Schönheit und des Erbes. Doch im Angesicht von eurozentrischen Schönheitsidealen relaxen, glätten, permen sich überwiegend Schwarze Frauen ihre Haare, um den Beautystandards zu entsprechen. Auch heute noch werden natürliche Afrohaare mit negativen Attributen konnotiert, und das nicht nur in der Diaspora. Afrohaare werden mit Unprofessionalität, Unseriösität, Wildheit und Ungepflegtheit assoziiert. In Südafrika, beispielsweise, werden Mädchen von der Schule nach Hause geschickt, wenn ihre Haare nicht einem bestimmten Bild entsprechen. Offene Afrohaare sind tabu. Auf diese Weise wird Kindern schon von klein auf eingetrichtert, was ‚gute Haare‘ sind. Kein Wunder also, dass viele Schwarze Frauen Komplexe haben, ihre Haare in ihrer natürlichen Form zu tragen.

„Es sind doch nur Haare“

Diesen Satz hat wahrscheinlich jedes Schwarze Mädchen und jede Schwarze Frau mindestens einmal in ihrem Leben gehört. Wenn man sich die Geschichte der Afrohaare und afrikanischen Haarfrisuren anschaut, wird schnell klar, dass es eben nicht „nur Haare“ sind.

In Afrika gehörten Afros, Zöpfe und andere traditionelle Haarfrisuren zur Norm. Haare definierten Rollen, Hierarchien, Identitäten und Status innerhalb der ethnischen Communities. Haare flechten wurde als Zusammenkunft von Frauen genutzt, um ihre Verbindung untereinander zu stärken. Die traditionellen Frisuren und ihre Bedeutung wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Mit Ankunft des Kolonisators änderte sich all dies drastisch.

© Rita Willaert https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nuba_woman_Kau.jpg

Afrikanischen Menschen wurden nicht nur ihr Land, ihre Freiheit und ihre Sprachen gestohlen, sondern auch ihre Kultur und damit auch ihr Stolz bezüglich ethnischer Haarfrisuren und Afrohaaren. Weiße Menschen bezeichneten Schwarze Haare als „wuschelig“, „hässlich“ und „widerspenstig“. Seit mehr als 3 Jahrhunderten müssen sich Schwarze Menschen anhören, dass alles, was nicht-europäisches Haar ist inakzeptabel ist.

Warum Afrohaare politisch sind

Versklavte Menschen aus Afrika wurden gezwungen ihre Haare abzuschneiden, was einen immensen Identitätsverlust bedeutete. Heute wird das Tragen von Afros, Locs, Cornrows, Braids und anderen traditionell Schwarzen Frisuren immer noch unterdrückt.
Hätte Barack Obama die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen, wenn seine Frau Michelle Obama ihre Haare natürlich getragen hätte? Oder hätte sie als rebellisch, unangepasst und unpatriotisch, als zu Schwarz gegolten?
Keine andere Gruppe Menschen, wie die der Schwarzen ist so vielen Stereotypen und Vorurteilen bezüglich ihrer Haare ausgesetzt. Soziale Konstruktionen werten Afrohaar ab und behindern Schwarze Frauen in ihrer Bildung, am Arbeitsplatz und in ihrer gesellschaftlichen Stellung. Auch ich habe mich schon dabei ertappt, wie ich meine Haare für ein Vorstellungsgespräch „gebändigt“ habe mit der Absicht europäischer zu wirken.

Afrohaare sind immer noch politisiert, solange Schwarze Menschen darum kämpfen müssen, nicht wegen der Art und Weise wie sie ihre Haare tragen, diskriminiert zu werden. Natürliches Afrohaar und Schwarze Frisuren sind somit eine Kampfansage gegen das eurozentrische Schönheitsideal.

The Natural Hair Movement

Die Natural Hair-Bewegung ist ein Phänomen der letzten paar Jahre. Doch bereits in den 1960er Jahren brach die erste Welle in den Vereinigten Staaten aus. Unter dem Slogan „Black is Beautiful“ wurde die Schönheit der unterschiedlichen Hauttöne, Gesichtsstrukturen und Haarkronen gefeiert. Es sollte ein Ende der Assimilation an die weiße Gesellschaft darstellen. Im Fokus stand dabei die Notwendigkeit, dass Schwarze Menschen ihre Wahrnehmung über sich selbst und ihre Haare dekolonialisieren.

© Melina Chana, privat

Die Idee Afrohaare in ihrer natürlichen Form zu feiern ist revolutionär. Der Afro gab/gibt Schwarzen Menschen die Motivation zu ihren Wurzeln zurückzufinden und laut zu sagen: „Ich bin Schwarz und ich bin stolz.“ Er entwickelte sich zu einem Symbol für Schwarze Menschen sich selbst zu lieben und zu zelebrieren.
In unserer Kultur haben wir die Vorstellung akzeptiert, dass “good hair” das Haar ist, mit dem sich Menschen anderer ethnischer Herkunft wohler fühlen, aber es ist wichtig für uns zu erkennen, dass unser Haar schön und einzigartig ist. Niemandes Haarstruktur ist die gleiche wie die eines anderen.
Am wichtigsten ist jedoch, dass wir erkennen, dass alle Haare eigentlich gute Haare sind.

Quellen:

The Myth of Good Hair (theodysseyonline.com)

The History of the Afro and The Natural Hair Movement (themariaantoinette.com)

Why Is Black Hair Still Being Politicised In 2021? | Glamour UK (glamourmagazine.co.uk)

Alice Hasters (2019) – Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten

Lori L. Tharps (2001) – Hair Story: Untangling the Roots of Black Hair in America

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