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Bräuche und Gesetze: zerstrittene Verwandte?

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Günther Lanier, Ouagadougou, 31.3.2021

Bräuche können hartnäckig sein, können Widerstand leisten.

Zum Beispiel die Exzision[1], die jahrzehntelangen Bemühungen um ihre Abschaffung bisher erfolgreich getrotzt hat.

Oder die Kinderheirat.

Bräuche können aber auch ohne viel Aufhebens verschwinden, können vergessen werden. Das passiert zum Beispiel gerade mit den Schmuck- oder Ziernarben, niemand weint ihnen eine Träne nach. Eine ihrer Funktionen war es, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft zu signalisieren, fälschungssicher, denn sie brauchen Jahre, um sich in voller Pracht zu entwickeln. Fotos von Gesichtern[2] mit solchen Schmucknarben[3] begleiten meinen heutigen Artikel, der sich mit dem (unter anderem: kolonial)staatlichen Umgang mit Bräuchen befasst.

In der Satten Welt ist Brauchtum großteils ins folkloristische Eck verbannt worden, kann als TouristInnenattraktion dienen oder begleitet den kapitalistischen Alltag, ohne weiter zu stören. Oder fördert ihn sogar, wie die alljährliche Einkaufsorgie anlässlich des Weihnachtsfestes.

Bestimmen, “regieren“ tun aber Gesetze. Wichtige, kulturprägende Bräuche sind in dieses staatliche Normensystem aufgenommen oder übersetzt worden. In Wien oder New York oder Hintertupfing kann eineR eher problemlos ohne Bräuche leben, wenn ihr oder ihm danach ist.

Anderswo aber sind Bräuche lebendig und können “universellen“, “zivilisierten“ Prinzipien durchaus widersprechen.

 [4]

Die Widersprüche zwischen “lokalen“ und “universellen“ Regeln, altherkömmlichen Bräuchen und modernen Gesetzen, sind leicht erklärbar: Die nur angeblich “universellen“ Regeln und Prinzipien sind die der Kolonialherren. Erst im Zuge ihrer Eroberung der Welt – die nach dem Ende der Kolonialreiche weiter ging und heute noch Tag für Tag vertieft wird – kam es zum Aufeinanderprallen der verschiedenen Regelsysteme.

(…)

Weiterlesen auf https://www.africalibre.net/lang/deutsch/startseite.php?page=6

* * *

Endnoten:

[1] Das Entfernen (wörtlich Herausschneiden) des äußerlich sichtbaren Teils der Klitoris und eines Teils oder der Gesamtheit der inneren, eventuell auch der äußeren Schamlippen, die in Afrika bei weitem verbreitetste Form des Female Genital Cutting. Siehe das Kapitel 12 von Günther Lanier, Land der Integren. Burkina Fasos Geschichte, Politik und seine ewig fremden Frauen, Linz (guernica Verlag) 2017 oder, kürzer: Günther Lanier, Petra Radeschnig, Der Kampf um die Intaktheit der Vulva, Radio Afrika TV 30.12.2020, https://radioafrika.net/der-kampf-um-die-intaktheit-der-vulva/ sowie Günther Lanier, Female Genital Cutting. Herumbessern am weiblichen Geschlecht, Radio Afrika TV 23.12.2020, https://radioafrika.net/female-genital-cutting-herumbessern-am-weiblichen-geschlecht/.

[2] Schmucknarben zieren freilich nicht nur AfrikanerInnen und nicht nur Gesichter. Weitere gebräuchliche Ausdrücke sind Skarifizierung oder Skarifikation.

[3] Foto 19.8.2014 Oxfam/Aimee Brown, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Oxfam_East_Africa_-_IMG_5951_(14950183180).jpg.

[4] Werk/Foto von I.B., Ausstellung zur Skarifizierung im Institut Français von Ouagadougou, Foto GL 18.4.2014.

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